Blüten vor Schwarz mit Blitz und Diffusor
Wie die Tulpenbilder vor schwarzem Hintergrund entstehen – mit Aufsteckblitz, selbst gebautem Diffusor und 1/250 s, f/16, ISO 100.
Die Tulpen vor schwarzem Hintergrund in meiner Serie Blüten sind ohne Studio und ohne schwarzen Karton entstanden. Das Licht kommt von einem Aufsteckblitz mit Diffusor. Die Belichtung ist so eingestellt, dass das Umgebungslicht kaum noch etwas zum Bild beiträgt, deshalb wird der Hintergrund schwarz. Die lila-weiße Tulpe weiter unten habe ich im Sichtungsgarten Weihenstephan fotografiert.
Rot-gelb geflammte Tulpe · Canon EOS R6, RF 35 mm F1.8 Macro · 1/250 s · f/16 · ISO 100
Das Prinzip
In jedem Blitzfoto stecken zwei Belichtungen: das vorhandene Licht und der Blitz. Wie hell das vorhandene Licht im Bild wird, bestimmen Belichtungszeit, Blende und ISO. Der Blitz dagegen ist so kurz, dass die Belichtungszeit für ihn keine Rolle spielt. Für ihn zählen Blende, ISO, Blitzleistung und Abstand.
Mit 1/250 s, f/16 und ISO 100 wird das vorhandene Licht so stark gedrosselt, dass es kaum noch etwas zum Bild beiträgt. Die Blüte bekommt ihr Licht dann fast nur vom Blitz, der wenige Zentimeter vor ihr sitzt. Alles dahinter bleibt dunkel, denn Blitzlicht nimmt mit dem Quadrat der Entfernung ab: Ein Hintergrund in doppelter Entfernung bekommt nur ein Viertel des Lichts, in vierfacher Entfernung ein Sechzehntel.
Ganz von allein wird der Hintergrund trotzdem nicht schwarz. Nach der Sonnig-16-Regel ist f/16 bei ISO 100 und 1/100 s in voller Sonne richtig belichtet. Bei 1/250 s liegt ein sonnenbeschienener Hintergrund also nur gut eine Blende darunter und bleibt sichtbar. Such dir deshalb Blüten, hinter denen Schatten liegt oder viel Platz ist, und wähle den Blickwinkel so, dass weder Himmel noch helle Flächen hinter der Blüte liegen. An bewölkten Tagen geht es leichter.
Die Einstellungen
- Modus M: Belichtungszeit, Blende und ISO fest einstellen. Sonst hellt die Automatik das Umgebungslicht wieder auf.
- 1/250 s: die kürzeste Zeit, bei der die Kamera mit normalem Blitz noch synchronisiert. Je nach Kamera und Verschlussart sind das 1/200 s oder 1/250 s; in der Anleitung steht der Wert als Blitzsynchronzeit. Kürzer geht nur mit Kurzzeitsynchronisation (HSS), und die kostet viel Blitzleistung.
- f/16: nimmt Umgebungslicht weg und bringt Schärfentiefe, die im Nahbereich ohnehin knapp ist. Bei meinen Tulpen lag die Blende zwischen f/14 und f/18. Noch weiter abblenden macht das Bild durch Beugung weicher.
- ISO 100: so wenig Umgebungslicht und Rauschen wie möglich.
- Blitz: so nah wie möglich an die Blüte. E-TTL funktioniert, aber die große schwarze Fläche verleitet die Messung zu mehr Leistung, und helle Blüten brennen dann aus. Eine Blitzbelichtungskorrektur ins Minus hilft. Im manuellen Blitzmodus bleibt die Helligkeit von Bild zu Bild gleich; die passende Leistung findest du mit zwei, drei Testaufnahmen.
Warum ein Diffusor
Ein nackter Aufsteckblitz ist eine kleine Lichtquelle. Er macht harte Schatten und grelle Spitzlichter, gerade auf nassen Blütenblättern. Im Nahbereich zielt er außerdem über das Objektiv hinweg und trifft die Blüte direkt vor der Frontlinse kaum. Ein Diffusor macht die leuchtende Fläche größer und bringt sie nach vorn, nah an die Blüte. Je größer und näher diese Fläche ist, desto weicher wird das Licht. Meine beiden Diffusoren sind Bastellösungen.
Trichter am RF 35 mm Macro

Mit diesem Aufbau sind die Tulpen vor Schwarz entstanden. Der Blitzkopf zeigt nach oben. Ein biegsamer Reflektor, außen schwarz und innen weiß, ist mit Klett am Blitz befestigt und lenkt das Licht nach vorn in einen Trichter aus weißer, lichtdurchlässiger Kunststofffolie. Der Trichter sitzt mit einem Ring vorn am Objektiv. So kommt das Licht aus einer großen, hellen Fläche rund um die Frontlinse, direkt vor der Blüte.
Chipsdose am EF 100 mm Macro

Am längeren EF 100 mm Macro sitzt die Frontlinse weit vor dem Blitz. Hier steckt eine leere Chipsdose auf dem Blitzkopf und leitet das Licht über das Objektiv nach vorn. Innen sind solche Dosen meist beschichtet und reflektieren gut. Für noch weicheres Licht kannst du die Öffnung vorn mit Butterbrotpapier oder weißer Folie abdecken.
Weitere Tipps
- Hintergrund: Je weiter er entfernt ist, desto schwärzer wird er. Oft reicht es, die Kamera etwas höher oder tiefer zu halten.
- Wassertropfen: Mit einer Sprühflasche bekommen die Blütenblätter Tropfen, die im Blitzlicht glitzern.
- Kein Stativ nötig: Der Blitz leuchtet viel kürzer als 1/250 s und friert kleine Bewegungen ein. Schwieriger ist die Schärfe: Bei f/16 und so kurzem Abstand ist nur ein schmaler Bereich scharf.
- Nachbearbeitung: Ist vom Hintergrund noch etwas zu sehen, senke in Lightroom den Schwarzwert etwas ab oder dunkle den Hintergrund mit einer Maske ab.
Tulpenknospen mit Wassertropfen · 1/250 s · f/16 · ISO 100
Lila-weiße Tulpe, Sichtungsgarten Weihenstephan · 1/250 s · f/18 · ISO 100
Alle Bilder der Serie findest du unter Blüten.
